Zum Jahr 1624 lesen wir in der Chronik von Paul Seidel von einem ereignisreichen und entbehrungsreichen Jahr, das das Leben in Gardelegen auf vielfältige Weise prägte – von Hungersnöten und sozialen Unruhen bis hin zu dramatischen Einzelschicksalen. Ein Einblick in die Herausforderungen und Schicksale, die die Stadt vor 400 Jahren bewegten.
Zudem war es hier „mit dem Kriegswesen still gewesen, derer halber sehr unsicher[es] Reisen … gewesen. Voraus auf der Gardelegischen Heide, da den zum Öfteren vernehme Beute gemacht wurde und viel Zugriff geschehen“. Dabei wurden auch Pferde ausgespannt, die in diesem Jahr einen Erlös von bis zu 15 Reichstalern einbrachten.
Für einen Scheffel Roggen (Gardelegisches Maß) musste vor der Ernte 2 Reichstaler gegeben werden. Wegen des leider leichteren Geldes wurden aber 7 Taler verlangt.
Wegen der großen Dürre und trockenen Zeit brach eine große Hungersnot und Teuerung aus. So baten vor einer Tür an einem Tag über 150 arme Leute, Alte und Kinder um eine Gabe. Darum erließen die Ratsmitglieder eine Ordnung für die Armen. So wurden an zwei Wochentagen in zwei Häusern Brotspenden gesammelt. Von diesen zwei Häusern sollten sich dann die Bedürftigen das Brot abholen. Doch trotz dem ist „des Bettelns nicht weniger getrieben worden“.
Am 03.02.1624 ging Andreas Burs (Bürgermeister) abends auf dem Wall nahe der Magdeburger Tormühle, um nach seinen Fischkästen zu sehen. Dort stirbt er plötzlich. Nach Seidels Angaben war er der dritte verstorbene Bürgermeister innerhalb von nur 7 Monaten in Gardelegen.
Am Sonntag Palmarum (1.4.1624) ist Herr Gerke, der alte „Kulengräber“ gestorben. Er hatte ab 1566 in 5 unterschiedlichen Pestzeiten etliche 1000 Verstorbene begraben.
(…)
Die Woche nach Martini (11.11.),- hatte Kurfürst Georg Wilhelm auf der Heide beim Wolfsgalgen eine Schweinejagt durchgeführt. Es wurden ca. 60 -70 Wildschweine geschossen“. Auf sein „Begehren“ musste dazu ein jeder dritte Gardeleger Haushalt für die zwei-tägige Jagd einen Treiber hinschicken. Das waren also ca. 160 Personen.
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