Die Geburtshilfe am Altmark-Klinikum Gardelegen steht vor dem Aus. Zum 14. Mai 2026 wird die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe aus der regionalen Versorgung abgemeldet. Das teilte die Altmark Klinikum gGmbH am Dienstagnachmittag mit.
Als Gründe nennt das Klinikum die anhaltend schwierige Fachkräftesituation sowie die seit Jahren sinkenden Geburtenzahlen, die sich in jüngster Zeit weiter zugespitzt hätten. Nach Angaben des Hauses könne ein verlässlicher Betrieb „in der erforderlichen Qualität“ nicht mehr gewährleistet werden.
„Die Entscheidung ist im Sinne der Versorgungsqualität unausweichlich“, erklärt Dr. Michael Schoof, Medizinischer Geschäftsführer der Altmark Klinikum gGmbH. Die Klinik habe bereits seit Jahren nur mit einem „hoch engagierten Kernteam“ und externer Unterstützung für die fachärztliche Rund-um-die-Uhr-Besetzung arbeiten können.
Die Suche nach neuem fachärztlichem Personal und Hebammen sei trotz umfangreicher Bemühungen nahezu aussichtslos geblieben. Zusätzlich erschwerten die niedrigen Fallzahlen die Situation. „Wir verzeichnen einen Trend zu immer weniger Geburten in unserem Haus“, so Dr. Schoof. Nur noch etwa jede dritte werdende Mutter im Umkreis von 30 Kilometern entscheide sich für die Geburtshilfe in Gardelegen. Viele Schwangere bevorzugten größere Kliniken mit angeschlossener Kinderklinik und neonatologischem Angebot. Besonders bei Risiko- oder Mehrlingsschwangerschaften sei das laut Klinikum sogar zwingend notwendig.
Nach Angaben des Klinikums habe sich diese Entwicklung besonders seit dem Wegfall der stationären Kinderheilkunde im Jahr 2022 verstärkt. Seitdem seien Entbindungen in Gardelegen nur noch nach abgeschlossener 36. Schwangerschaftswoche möglich und auch nur bei erwartbar komplikationsfreiem Verlauf.
Die Zahlen zeigen den deutlichen Rückgang: Während 2016 noch 383 Babys in Gardelegen geboren wurden, waren es 2021 noch 273. Im Jahr 2025 sank die Zahl auf 93 Geburten. In den ersten vier Monaten 2026 kamen bislang 29 Kinder zur Welt.
Nach Einschätzung des Klinikums ist durch die Schließung keine Unterversorgung zu erwarten. Viele werdende Mütter aus dem Raum Gardelegen würden bereits jetzt Kliniken in Salzwedel, Stendal oder Magdeburg nutzen.
Andere Bereiche des Krankenhauses seien von der Entscheidung nicht betroffen. „Das Krankenhaus Gardelegen steht weiterhin für die verlässliche Grund- und Regelversorgung der Bevölkerung in unserer Region“, betont der medizinische Geschäftsführer.
Auch die ambulante Versorgung von Kindern und Jugendlichen sei gesichert. Laut Klinikum ist die Praxis für Kinderheilkunde und Jugendmedizin im Fachärztlichen Zentrum Gardelegen seit April 2026 wieder vollständig besetzt.
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